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USA Kalifornien


Mr. Perfect macht den Grand Vin

Wenn einem der 75-jährige Lou Kapcsandy zu einem Rundgang durch seine Kellerei einlädt, würde man sich nicht wundern, wenn man vorher einen keimfreien Schutzanzug überstreifen müsste. Dieser Keller ist zweifelsfrei mindestens so sauber wie der Operationssaal eines amerikanischen Spitals. Lou hat in seiner Jugend ein Chemie-Studium abgeschlossen und sagt: «Wir betreiben in unserem Rebberg einen so immensen Aufwand, dass wir nicht das kleinste Risiko eingehen möchten, um von diesem Qualitätspotenzial durch Nachlässigkeit wieder etwas zu verlieren.» So müssen die Kellerarbeiter, wenn sie Proben aus den Barriques ziehen, bei jedem Fass eine neue Pipette nehmen, damit selbst die theoretische Möglichkeit ausgeschlossen werden kann, dass sich ein unerwünschter Mikroorganismus von Fass zu Fass weiterverbreitet. Zum Perfektionismus-Konzept gehört auch, dass die Geräte im Keller nach eigenen Ideen umgebaut werden. So wurde beim Beeren-Sortiertisch das Förderband so unterteilt, dass rosinierte Trauben in ein separates Behältnis gelangen. «Eingeschrumpfte Trauben sind gut, aber nur für unseren im Portwein-Stil vinifizierten Vino del Sol», meint Lou und lächelt. Was Lou und sein Sohn Louis Kapcsandy mit ihrem Weingut nach dem Château-Prinzip an der State Lane in Yountville erschaffen haben, ist bestimmt die grösste und positivste Überraschung in der Napa-Valley-Weingeschichte der letzten Jahre.

Die Reblagen in der Nähe des Napa Rivers gelten unter In-sidern gemeinhin nicht als die besten. Doch obwohl Lou Kapscandy bis ins Jahr 2003 bei einem Generalbauunternehmen im fernen Seattle tätig war, das Flughäfen und grosse Fabriken baute, wusste er, dass die Familie McClaskey an der State Lane in Yountville seit Jahren jene Trauben anbaute, aus welchen Beringer den famosen Estate Private Reserve Cabernet Sauvignon kelterte. Als der sieben Hektar grosse Rebberg im Jahr 1999 wegen Reblaus-Befalls gerodet werden musste, nutzte Lou Kapscandy die Gelegenheit und kaufte die Brachfläche. So bot sich ihm die einmalige Chance, ein einzigartiges, aber doch wenig bekanntes Napa-Terroir neu bestocken zu können. Zuvor liess er 34 Bodenproben analysieren, die ergaben, dass es im Rebberg nicht weniger als 12 verschiedene Bodentypen gibt. Das Spektrum reicht von hartem Lehm bis zu vulkanischem Gestein. Bei der Neuanpflanzung drehte er die Rebreihen entgegen der Napa-Regel nach Südwesten, um sie für die kühlen Luftströme aus der San Pablo Bay zu öffnen und um die Traubenzone vor zu viel direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Zudem wurden die Reben höher gezogen als üblich. Diese Massnahmen führten dazu, dass die letzten Cabernet-Trauben in kühleren Jahren wie 2010 erst im November gelesen werden. Bei der Ernte werden 15 Blocks individuell gelesen und dann im Keller ebenso individuell ausgebaut. Der Ertrag, der ohne Regulierung bei rund 14 Tonnen pro Hektar läge, wird auf 6 Tonnen reduziert.

Die kaum mehr zu übertreffende Qualität der Kapcsandy-Weine ist das Resultat einer generalstabsmässigen Planung und deren kompromissloser Umsetzung durch Lou Kapcsandy und seinen Sohn Louis, der zunehmend Verantwortung übernimmt. Dabei können sie auf prominente Berater wie Helen Turley (bis 2005) und Denis Malbec, dem ehemaligen Kellermeister von Château Latour, zählen. Tatsächlich kann man in der vorzüglichen Estate Cuvée, vor allem aber im schlicht grossartigen Grand Vin viel von der aristokratischen Grösse eines grossen Pauillac Premier Crus erkennen. Einzige Ausnahme ist der merlotbetonte «Roberta's Reserve» Dieser nach der Ehefrau von Lou benannte Cru ist die perfekte Interpretation eines Pomerols, aber natürlich nicht irgendeines Pomerols, sondern eines ganz bestimmten. Na ja, Sie wissen schon ...

10 Fragen an Louis Kapcscandy

Welcher Film hat Sie besonders beeindruckt?
«The Help» – ein Südstaatendrama über eine junge Frau, gespielt von Emma Stone, die in den 60er-Jahren Schriftstellerin werden will.

Wofür geben Sie gerne unvernünftig viel Geld aus?
Alte Vinyl-Schallplatten aus den Sparten Rock, Jazz und Folk.

Wenn Sie nicht Winzer wären, dann …
... Theaterschauspieler, falls erfolglos noch Weinhändler im Nebenberuf.

Welcher Wein hat Sie am meisten beeinflusst?
Bei all dem, was wir hier mit dem Cabernet in Yountville tun, denke ich oft an einen 1959er Château Latour.

Ihre Lieblingsstadt?
San Francisco, hier traf ich meine Frau.

Welches Erbstück hat für Sie eine besondere Bedeutung?
Als ich ein Kind war, schenkte mir mein Vater einen Chronometer und sagte: «Den trugen unsere Astronauten auf dem Mond.» Es war eine Omega Speedmaster.

Welches Vorhaben möchten Sie unbedingt verwirklichen?
Zu einem Berggipfel in den Alpen aufsteigen.

Auf welches Produkt aus dem Supermarkt möchten Sie nicht verzichten?
Italienisches Mineralwasser mit Kohlensäure.

Welche CD hören Sie gerade beim Autofahren?
Alle Aufnahmen von Jimi Hendrix.

Was empfehlen Sie für ein Gericht zu einem Ihrer Weine?
Zu «Chicken Paprikosh», also Huhn an Paprikasauce, serviert mit Spätzle und Sauerrahm unseren Cabernet Sauvignon Grand Vin.

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