Wann war das nur, als mich mein viel zu früh von uns gegangener Kumpel Philippe Cambie anrief und fragte, ob ich ihn mit den Krankls «connecten» könnte. Klar konnte ich. Es war ein aufregendes Telefonat, das ich übersetzen durfte und an dessen Ende war alles ausgemacht! Im Wesentlichen ging es darum, dass Philippe Cambie als beratender Oenologe zusammen mit den Maurels von Clos Saint Jean und Manfred Krankl im Lead einen Châteauneuf-du-Pape keltern sollte, einen reinsortigen Mourvèdre, den man in 300 Liter grossen Eichen-Holz-Fässern ausbaut und den Wein ausschliesslich in Magnums abfüllt. Sie wissen, ich liebe Châteauneuf-du-Pape, allen voran diese der Familie Maurel (Clos Saint Jean), genauso sehr wie ich die Weine unserer Freude, den Krankls, liebe. Die Trauben wachsen an Reben, die schon auf die 100 Jahre zugehen und noch immer allerbeste Qualität liefern. Wahnsinn, nicht wahr, so alte Pflanzen liefern noch immer ab!
Dunkel wie die Nacht schmiegt sich der Wein ans Glas und scheint sich nur träge zu bewegen und vermittelt so bereits eine erste Information über seine Dichte, über sein Gewicht – Chimère ist kein Wein für Weicheier, hätte ich beinahe geschrieben. So dunkel wie seine Farbe so dunkel ist auch seine Aromatik: Brombeeren, Cassis und Lakritze verbinden sich zu einem super adretten Parfum, welches vom Duft getrockneter Blumen marmoriert wird. Grossartig! Unbeschreiblich ist das Mundgefühl. Wow, der Wein hat Präsenz. Druckvoll füllt er den Gaumen, fliesst beinahe cremig und schlägt den Gaumen mit prunkvollem Tannin in bester Qualität aus. Das Finale ist so lang, dass es andere Weine wie Witze aussehen lässt. Das hier ist ein seriöser Wein, ein kompromissloser Wein, den man nicht öffnen sollte, bevor er nicht mindestens zehn Jahre alt ist. Chapeau!