Rhys pflanzt seine Weinberge dicht und den Pajaro noch etwas dichter. Die Konkurrenz der Reben untereinander ist gross. Auch wenn ich nicht dahinterkomme, warum man in einer trockenen Gegend wie Kalifornien so dicht pflanzen will, gibt das Resultat, also der Wein, Kevin Harvey und seinem Winemaker Jeff Brinkman recht. Also nicht grübeln, geniessen. Der Pajaro Chardonnay ist vielleicht der himmlischste Weisse von Rhys, oder sollte ich sagen der verführerischste? Ja, verführerischste ist richtig, denn er riecht so gut, dass man nicht lange fackelt und gleich einen prüfenden Schluck nehmen muss, nur um sich zu vergewissern, ob Duft und Geschmack denn korrelieren und ja, das tun sie – und wie sie es tun.
Cedri- und Pomelo-Duft gibts im Überfluss, auch feine Minznoten, die was Exotisches ins Spiel bringen zusammen mit einer fruchtigen Pfeffer-Note und einer deutlichen mineralischen Marmorierung. Der Gaumen ist genauso spektakulär wie der Duft, denn der Wein zeigt zwar Kraft, aber auch Frische, Finesse, ja Energie und im Finale eine herrlich salzige Note. Dieser Wein hat das gewisse Etwas, eine gewisse Transparenz, die sämtliche Schichten des Weines – und das sind viele –, alle Aromen und Komponenten miteinander verbindet und einen Wein entstehen lässt, wie man ihn nicht jeden Tag ins Glas bekommt. Seien Sie vorbereitet auf was ganz Besonderes. Doch halt, wenn Sie ihn gleich geniessen wollen, dann sollten Sie ihn ordentlich lüften oder aber Sie legen ihn noch für ein paar Jahre weg. Auf jeden müssen Sie ihn haben!