Wow, was für ein Wein! Ganz ehrlich, solch einen Nebbiolo habe ich noch nie zuvor in meinem Glas gehabt. Er unterscheidet sich auf so vielen Ebenen von allem anderen, was wir aus dieser noblen Rebsorte kennen und lieben. Aber von vorne: Das Terroir ist etwas, das ich so noch nie zuvor gesehen habe und ich habe schon einiges gesehen. Eine Steillage wie diese, oder wir würden Sie einen Weinberg mit 35 Prozent Steigung nennen, kenne ich im Piemont sonst keine. Die Reben wachsen auf kleinen Terrassen und wurzeln in einem feinen, leichten, bläulichen Sand, der geladen ist mit Mineralstoffen. Klar, dass hier jeder Arbeitsgang von Hand erfolgt und davon gibt es viele. Endemisch ist Manueles Nebbiolo, kleiner und lockerer hängen die Trauben an den Rispen seines Nebbiolo. Kupfer und Schwefel verwendet Manuele im Weinberg nicht, sondern setzt auf alternative pflanzliche, inversive, ganzheitliche Methoden. Ja, mir geht es wie Ihnen, denn sowas habe ich noch nie gehört und schon gar nicht gesehen, doch es ist grossartig, dass jemand sich die Mühe macht und beginnt, die Weinbergarbeit zu revolutionieren.
So spektakulär der Weinberg und die Art und Weise, wie Manuele ihn bearbeitet, so klassisch (im besten Sinne des Wortes) arbeitet er im Keller. Alle Trauben werden entrappt und spontan vergoren – es werden also keine Hefen zugesetzt. Die Extraktionszeit ist relativ kurz und die alkoholische Gärung genauso. Ja, Manuele arbeitet klassisch mit dem «cappello sommerso» was so viel bedeutet, dass er den Tresterhut (also die Traubenhäute unter die Oberfläche des Saftes drückt und dort hält, für die gesamte Zeit der Extraktion und Gärung. Ausgebaut wird der Wein im Holz, das allerdings aromaneutral ist, also schon gebraucht.
Auf diesem Weg entsteht ein magischer Nebbiolo, der unbeschreiblich verführerisch duftet, es ist Süsse mit im Spiel, also feine rotbeerige Frucht, aber auch würzige Komponenten sind mit dabei und verbinden sich zu einem höllisch heissen Parfüm. Fein, ja fast zart fühlt sich der Wein im Gaumen an. Gerbstoffe sind quasi inexistent – oder einfach meisterhaft verpackt. Die Säure ist balanciert und ein etwas tieferer PH-Wert liefert die Frische, was den Wein zwar frisch, aber nicht sauer macht, fast hätte ich gesagt «etwas pikant» macht. «Ist das was für mich», fragen Sie sich? Ja, vielleicht schon. Aber nur dann, wenn Sie auf Weine stehen, die sich über Eleganz und Finesse definieren und weit weg sind von diesen unsäglichen überextrahierten, überholzten Weinen, wie man sie sonst so findet. Herausfordernd dürfte allerdings sein, einer dieser ultrararen Flaschen habhaft zu werden, denn Manuele keltert maximal 2000 davon. Good luck also!