Zweifellos ein grosser Wein, dieses zweite Kapitel, also der zweite Jahrgang des Odyssée Pétillante, der allerdings, und das sage ich besser gleich zu Beginn, etwas Geduld fordern wird. Sei es, dass Sie dem Wein noch ein paar Monate Flaschenreife gönnen oder ihm Luft, vor dem Genuss zugestehen. Ja, Sie haben richtig gelesen, wir empfehlen den Wein zu dekantieren, nur kurz zwar, aber der Unterschied – Sie werden sehen – ist gigantisch, als ob Sie auf einmal einen anderen Wein im Glas hätten.
Nebst dem, dass Romain und Thomas ihre Reben biodynamisch pflegen und dabei möglichst alles selbst in ihren Händen haben, arbeiten sie traditionell im Keller mit einem Hang zur Perfektion. Die Presse ist eine klassische vertikale, grosse, die Thomas mit drei Kumpels bedient – ein Pressvorgang dauert gut und gerne vier Stunden. Romain’s Platz ist im Keller, wo er den Saft, der aus der Decke rinnt – genau, die Presse steht direkt über ihm im Erdgeschoss – prüft und die besten Partien in den zentralen Stahltank leitet. Dessen Inhalt verteilt er gleich in die gebrauchten kleinen Eichenholz-Fässer, wo der Saft zu Wein vergärt, ohne Zusatz von Zuchthefen, selbstverständlich. Nach ein paar Monaten geht der Wein dann auf die Flasche und erhält nochmals etwas Saft (süss, also unvergoren) mit auf den Weg, um die zweite Gärung zu starten, welche für die feine Perlage sorgt.
Kein Schwefel, kein Zusatz in irgendwelcher Form, also auch keine Dosage, ein pures Naturprodukt ist dieser Wein – sind übrigens alle Champagner von Romain und Thomas –, der so wunderbar fruchtig duftet und so flauschig im Gaumen liegt, der saftig endet und einen die Zunge schnalzen lässt, bevor der Speichel in rauen Mengen zu fliessen beginnt. Ausgewogen ist der Wein und doch mächtig dynamisch, fast könnte man sagen energiegeladen. Ein Wein, der nicht nur zum Aperitif viel Freude bereitet, nein, diesen Wein können Sie selbst zu einem Geflügel-Gericht servieren, der Wein hält was aus.
Wir können Ihnen nur empfehlen, sich die Weine dieser zwei Brüder genau, ganz genau anzusehen und nicht zu zögern einzusteigen, dabei zu sein, wenn was Grosses entsteht. Denn sonst wird es Ihnen ergehen wie bei den Weinen von Richard Leroy oder Roses de Jeanne, um zum Champagner zurückzukehren.